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Erdbeeren im Winter?

Erdbeer-Rhabarber Marmelade


Heute ist Valentinstag. Ergo haben wir Mitte Februar. Und dennoch wurde ich heute beim Besuch eines Supermarktes von Erdbeeren erschlagen. Hoch getürmt ebneten sie wie eine Art roter Teppich den Eingang in die Welt von Obst und Gemüse. Normalerweise fällt mir das nie wirklich auf. Ich registriere im Unterbewusstsein, dass dort Erdbeeren (und Himbeeren und Heidelbeeren und und und.) zum Verkauf angeboten werden, interessiere mich aber nicht weiter dafür. Heute blieb ich jedoch etwas Abseits davon stehen und beobachtete ein interessantes Schauspiel. Obwohl die Erdbeeren in ihren Schälchen exorbitant teuer waren standen ungefähr 10 Leute vor ihnen und wühlten sich durch die roten Früchte um die prallsten, rotesten und schönsten Exemplare für sich zu gewinnen. Das Kilogramm kostet hochgerechnet etwa sechs Euro.


Warum kaufe ich zu dieser Jahreszeit Erdbeeren? Wir haben hier aktuell -2 Grad und es liegt haufenweise Schnee. Was verleitet mich dazu, in den nächsten Supermarkt zu gehen und eine Schale Erdbeeren zu kaufen? Ein paar mögliche Gründe die mir bisher eingefallen sind:

  1. Die Verfügbarkeit. Was im Laden steht, wird auch gekauft.
  2. Die Unwissenheit. Saisonales Obst und Gemüse? Egal was, es hat IMMER Saison, denn es liegt ja schließlich in den Läden zum Verkauf aus.
  3. Die Gelüste. Erdbeeren sind was tolles, sie schmecken super, sind optisch eine Freude.
  4. Die Sehnsucht. Erdbeeren verbinde zumindest ich mit dem späten Frühling, dem anstehenden Frühsommer, Wärme und Sonne.

Die Frage die ich mir stelle – Müssen Erdbeeren im Winter auf unseren Tellern landen? Müssen wir Erdbeerkuchen, Erdbeerjoghurt, Erdbeercrèmes und Co JETZT zubereiten und konsumieren? Müssen es JETZT im Winter FRISCHE Erdbeeren sein?

Ich kann nur für mich sprechen, aber ich brauche jetzt im Winter definitiv keine frischen Erdbeeren. Ja ich gebe zu, auch ich habe bereits zu dieser Jahreszeit einmal frische Erdbeeren gekauft. Sie sahen nett aus, hatten jedoch so gut wie keinen Geschmack und waren zudem noch horrend teuer. Darüber hinaus sollte man sich auch Gedanken machen, wie es denn sein kann, dass es jetzt bei uns in den Supermärkten Erdbeeren zu kaufen gibt.
Erdbeertarte mit Tonkabohnencreme


Importerdbeeren

Zum Einen werden natürlich haufenweise Erdbeeren Importiert. Lediglich während der Erdbeersaison hierzulande wird von Importen meist gänzlich abgesehen. Spanien und Israel stehen ganz hoch im Kurs. Das Problem daran: die Erdbeeren reisen um die halbe Welt, sie werden mit Düngemitteln und Pestiziden gerade nur so umhüllt und von den Arbeitsbedingungen auf solchen Plantagen sowie die Trinkwasserproblematik brauchen wir gar nicht erst sprechen. Aber schön aussehen, das tun die Erdbeeren wahrlich wenn sie hier im Supermarkt liegen.


Wintererdbeeren aus Deutschland

Mittlerweile sind jedoch auch heimische Betriebe auf den Trichter gekommen, mehr oder weniger das ganze jahr über Erdbeeren anzubauen und zu ernten um die Nachfrage mit heimischer Ware befriedigen zu können und gleichzeitig die aus oben genannten Gründen etwas in Verruf geratene Importware auszustechen und zu übertrumpfen. Mittlerweile wird in vielen Gegenden in Deutschlands (Bayern, Rheinland etc.) bis zur Weihnachtszeit fleißig daran gearbeitet, deutsche Erdbeeren zu produzieren. Lediglich die Zeit nach Weihnachten bis zum Saisonbeginn Anfang Mai wird fast ausschließlich durch Importware gedeckt. Natürlich ist es schön, Erdbeeren aus der Region auch im Winter zu bekommen. Nichtsdestotrotz sollte man sich im Klaren darüber sein, dass die Früchte zu dieser Jahreszeit in Gewächshäusern unter enormem Aufwand gezüchtet werden. Erdbeeren sind sehr empfindlich, die Lichtverhältnisse, die Bewässerungsmenge und vor allem die Temperatur müssen absolut stimmen. Gerade die Energiekosten die durch das Heizen und die Belichtung entstehen sind nicht zu verachten. Die dunkle und kalte Jahreszeit ist eben nichts was den süßen, roten Früchtchen gefällt.


Und dieser ganze Aufwand dient nur dazu, dass wir jetzt im Winter vor dem Kamin mit einer Tasse heißer Schokolade in der Hand an ein paar frischen Erdbeeren rumzuzeln können. Ist es das wirklich wert? Natürlich ist der Gedanke an sich, regional einzukaufen statt auf Importware zu setzen, sehr löblich und gut. Allerdings darf man hierbei die Saisonalität von so mancher Ware nicht einfach unter den Tisch fallen lassen. Die Energiekosten die dadurch entstehen, dass wir in der finsteren Jahreszeit Erdbeeren anbauen, könnte sehr gut für etwas anderes genutzt werden. Können wir uns nicht einfach voller Vorfreude im Frühling und im Frühsommer auf die Erdbeerfelder stürmen und sie kiloweise ernten und daraus die wundervollsten Dinge machen? Müssen es wirklich frische Erdbeeren im Winter sein?

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5 Kommentare

  • Antworten
    Häsin
    14. Februar 2015 at 19:18

    Gut auf den Punkt gebracht. Das ist schon ein Irrsinn mit den ganzjährig verfügbaren Obstsorten – dabei schmecken regionale Produkte zur richtigen Jahreszeit (zum Beispiel ein leckerer Apfel / Birne) echt gut und die deutschen Erdbeeren im Frühsommer deutlich aromatischer.
    Ich hab gestern übrigens auch Erdbeeren gesehen (passenderweise in Herzform-Verpackung) und mich gefragt, wer die für ein Heidengeld kauft, da die sicherlich nicht sehr schmecken . Nun ja, aber tatsächlich haben sie Abnehmer gefunden.

    • Antworten
      Jassy
      19. Februar 2015 at 17:20

      Hey Häsin,

      jap, die Erdbeeren in der Herzform-Verpackung passend zum Valentinstag sind mir ebenso aufgefallen. Das ganze hat eigentlich schön verkörpert, zu was der Valentinstag mittlerweile instrumentalisiert wurde.

      Regional und Saisonal in Kombination ist und bleibt einfach das Beste und auch Nachhaltigste.

      Viele Grüße,

      Jassy

  • Antworten
    Claudia Böttcher
    15. Februar 2015 at 13:58

    Da hast du vollkommen recht, außerdem ist es in der Saison auch ein willkommener Ausflug. ..Aber ich komme halt auch vom Land, da ist das nächste Erdbeerfeld 2 km entfernt. ..
    Und es ist einfach gut zu wissen, wo die Produkte aus den Früchten herkommen…
    Marmelade ist bei uns ausschließlich Selbstgekocht, aber das hat auch einen Zeitfaktor und ausserdem kommt es auch auf die Erziehung drauf an. ..So mancher hat ja noch nicht einmal eine lebendige Kuh gesehen, geschweige denn Selbstgezogenes geerntet und verarbeitet!

    • Antworten
      Jassy
      19. Februar 2015 at 17:22

      Hallo Cluadia,

      da hast du auf jeden Fall Recht, vor allem bei den ganz Kleinen mangelt es zum Teil erheblich am Wissen um Obst, Gemüse und deren Herkunft. Aber auch bei den Erwachsenen ist es zum Teil wirklich erschreckend, wie wenig Ahnung sie um die Herkunft, Anzucht usw. von Gemüse und Co haben.

      Viele Grüße, Jassy

  • Antworten
    Kathi Keinstein
    25. März 2016 at 12:32

    Auch in diesem Jahr ist das Thema aktueller denn je. Gestern (am Gründonnerstag!) beim Einkauf in einem Schweizer Supermarkt stöberte mein Freund eine Schale Weintrauben auf…doch als ich ihm das aufgedruckte Herkunftsland – Indien – zeigte, verging auch ihm der Appetit. Ein Bund bezahlbarer – da im Angebot – grüner Spargel schien mir da schon naheliegender…aber Spargel zu Ostern? Wirklich?

    Als ich vor rund 25 Jahren Kind war und mehr als einen Urlaub im Kuhstall und auf Getreidefeldern verbrachte (tolle Sache! 🙂 ), waren Import-Obst und -Gemüse noch nicht verbreitet. Was Mutter also im Supermarkt – oder noch besser auf dem Wochenmarkt – einkaufte, entsprach also stets der Saison. Und da gab es Ostern noch keinen Spargel.

    So war es auch nicht überraschend, dass der grüne Spargel am Gründonnerstag 2016 seinen Ursprung in Kalifornien hatte – und in Folge dessen im Regal verblieb. Neben den Pflaumen, Aprikosen und Melonen, deren Herkunft ich schon gar nicht mehr nachgesehen habe.

    Die Schweizer scheinen es mir mit dem Import-Obst noch weiter zu treiben als die Deutschen…Aber hier wie dort haben die Kinder von heute es immer schwerer, im Alltag zu lernen, was Saisonobst ist, geschweige denn was zu welcher Zeit „seine Ordnung“ hat…

  • Antworten

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